Morning Pages (30)

Zufriedenheit.
Das Interessante an Zufriedenheit ist, dass sie relativ ist. Wenn man selten in den Urlaub fährt, dann ist es etwas Besonderes, das Lieblingskuscheltier nicht zu Hause, sondern in einer kleinen Ferienwohnung am Meer zu verstecken.
Stundenlang und immer wieder, solange die Geschwisterkinder danach suchen und sich den Bauch halten vor Lachen. Das ist nicht selbstverständlich, wenn wir zu Hause sind. Aber das Besondere kitzelt es aus ihnen heraus, macht sie zufrieden. Es braucht keine gigantischen Unternehmungen, tausende Kilometer oder grenzenlose Freiheit. Es braucht (für mich und meine Kinder) nur ein kleines Ausbrechen aus dem Alltag.

Natürlich ist mir bewusst, dass diese leicht erreichte Zufriedenheit ein endlicher Zustand ist, der nur eine Spirale nach oben kennt, zumindest bei Kindern. Würden wir jetzt immer und immer wieder hier her fahren, weil es ja so lustig war und sie schöne Erinnerungen dran haben, wäre das Kuscheltierspiel schnell langweilig.

Aber immer mehr und mehr, weiter und weiter, das ist ja etwas, was so leicht nicht geht. Weder zeitlich, noch finanziell- es gibt Grenzen. Zumindest sollte es sie geben.
Ich bin jemand, der schnell Grenzen aufzeigt. Warum? Je niedriger die Welle ist, die gegen die Mauer prallt, umso weniger schlimm fühlt es sich an.

  • Nein, der Fernseher geht jetzt aus.
  • Nein, auch im Urlaub geht um 9 das Licht aus.
  • Nein, es gibt heute keinen Nachtisch.
  • Nein, Toast ist kein geeigneter Reiseproviant.

Für mich ergibt sich immer wieder das Bild einer Straße. Das Leben, oder vor Allem das Größerwerden, geht immer schneller und schneller, denn die Straße führt geradeaus.
Entweder Fehler zeigen Grenzen auf, wie Leitplanken, oder die Eltern setzen diese fest. Ein Dagegentrudeln tut weh, bringt einen aber ohne großen Unfall wieder auf die Spur. Ist man ein paar mal dagegen geschlagen, erkennt man von selbst, wann man von der Spur gerät.

Ich glaube, dass es richtig ist, im Leben Dinge gering zu halten. Eltern haben den Überblick, was theoretisch möglich wäre und ich denke, es ist sehr wichtig und wunderschön, ab und zu einen Spalt dieser Möglichkeiten aufzuzeigen, ihn dann aber wieder zu schließen. So haben Heranwachsende eine Ahnung von dem, was geht. Sie sind selbst Fahrer*in auf ihrer Straße, finden ihr Ziel, setzen sich selbst Grenzen und bleiben in der Spur. Wäre es dann nicht gut, die Ziele sind klein? Für Heranwachsende selbstständig machbar?

Wenn das Erlebte nicht selbstverständlich ist, sondern ein Ziel, dann bringt die Erfüllung dieser Ziele wohl Zufriedenheit. 20180206_155108.jpg

(Wichtig: Ich schreibe von großen Schulkindern. Babys sind etwas ganz anderes.)

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