Morning Pages (28)

Wenn man als Mutter (und Vater) eins kann, dann ist das wahrscheinlich das Erkennen der angsterfüllten Stimme des eigenen Kindes, und sei es auch über das rauschende Meer und viele Meter entfernt.

Gerade als ich mich dazu entschloss, mein Ritual (nackte Füße im Wasserrand umspielen lassen) zu zelebrieren, trotz Eiskristallen auf dem Strand – da klang ein ebenso eisiger, schriller Schrei von K2 an mein Ohr und ich musste zusehen, wie in einiger Entfernung ein großer Schäferhund auf ihn zustürmte, bellte und das Kind stürzte. Der Hund war davon natürlich noch mehr angeheizt, und als ich K2 fallen und den Hund hinterhergehen sah, war ich im Schock.

Glücklicherweise blieb die Aktion nicht unbemerkt und auch die Besitzer des Hundes bemerkten es, liefen und riefen und reagierten schnell. Der Hund hörte auch sehr gut und ließ ab, ohne K2 auch nur im Geringsten anzugehen.

Dennoch. Diese 5 Sekunden fühlten sich wie eine Ewigkeit an und das Kind war völlig verängstigt. Es folgen Momente der Nähe, des Beschützens und Trostsuchens. Alles war gut. Der Schock überwunden. Der Hund blieb in der Ferne, viele Entschuldigungen wurden gerufen.

Aber dann stand auf einmal Semjon vor uns. Ein knapp 2m großer Mann, später lernen wir ihn als 40jährigen Melker aus Estland kennen. In seiner Freizeit hat er eine Hundeschule und züchtet Labradore. Dabei ist es egal, ob er dem Tier das 1×1 der Hundeschule beibringen oder Rettungs- oder Munitionshunde ausbilden soll – er liebt Hunde und kann sie führen. Gut zu erleben war das im Umgang mit seiner Hündin, die er mit sich führte. Alle 3 Kinder waren ohne Scheu auf sie zugegangen, auch K2 lächelte und knuddelte mit ihr.

Gut eine halbe Stunde sprachen wir – unter Hürden, aber alles wurde deutlich. Dass der Schäferhund gerade am Tag 2 seiner Ausbildung mit ihm stand. Dass die Besitzer eine ganz andere Erziehung als er bevorzugen (eher grob als zugewandt), dass ihm der Moment mit K2 sehr leid tut und seine Hunde, vor allem die Hündinnen, wunderbare Begleiter für Kinder sind.

Als ob ich das nicht wüsste.

Ich habe immer gesagt, ich wünsche mir von Herzen einen Hund an meiner Seite. Aber ich werde es nicht forcieren. Charlie wird mich finden. Nicht umgekehrt.

In 60 Tagen bekommt er Welpen. Ich habe seine Telefonnummer.

Das Wasser war kalt.

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