Morning Pages (8)

Manchmal, da gibt es Tage, die nenne ich Dauerschleifentage. Da drehen Gedanken Spiralen im Kopf stetig nach unten, und das, was sie zumindest verlangsamt, ist der richtige Titel der richtigen Band für diesen Moment. Und dann klicke ich einmal auf Schleife, und dann nochmal, und wenn die kleine 1 oben rechts erscheint, weiß ich, darum brauche ich mich jetzt nicht mehr sorgen. Ordnung. Erste Stufe.

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Die nächste Stufe, und das ist die schwerste, ist die, die Gedanken loszuwerden, bevor sie über die Lippen oder die Fingerspitzen nach draußen gelangen. Denn, und das weiß ich genau, das sind Gedanken, die draußen nichts zu suchen haben, außer mein eigenes Chaos dahin zu verpflanzen. Wie ein Virus, ansteckend, lähmend, krank machend. Sind die Worte einmal draußen und treiben ihr Unheil, unaufhaltsam, kommt die zweite Gedankenspirale dazu: Schuld und Scham.

Die beiden fetzen sich und ringen um die Oberhand, wer denn nun höhere Wände um mich bauen kann, um noch etwas mehr Abschottung und Egalität über Herz und Verstand zu legen.

Und die Musik in Dauerschleife versucht, Ordnung zu schaffen.

Nächste Stufe: Arbeiten. Das geht immer, weil Pflichtbewusstsein der Trumpf ist, der alles sticht. Ich habe zwar von Skat keine Ahnung, aber ich glaube, das sagt man so. Arbeiten also, innere Ordnung schaffen, auf einem ganz anderen Gebiet, die dann – wie ein Virus- sich ausbreiten kann und Stille schafft. Bis die Schuld wieder anspringt. Warum habe ich die Mauer durchbrochen? Warum die Gedanken rausgelassen, die nicht raus sollen? Schnell wieder die Dauerschleife an, ein paar Takte hören und mit angehaltenem Atem ein paar Haken setzen.

Schlaf wäre auch nett. Doch nach Dauerschleifennachmittagen folgen immer Nächte, in denen der Nachtmahr vorbeikommt, und sich auf meine Brust setzt. Da sitzt er dann und ich bin regungslos.

Irgendwann kommt dann die Sonne oder die Uhr, je nach Jahreszeit. Die Uhr ist immer ordentlich, sagt mir, es sei Zeit, aufzustehen. Was sie sagt, wird gemacht. Kaffee, eine warme Dusche, eine Tastatur und viele Worte später kann ich die Kinder wecken.

Guten Morgen, Schnuffelpuff, mein Herz. Na, hast du gut geschlafen?

Ja, Mami! Und du?

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