Wie eine Ringerin

Ich traf die L. beim Einkaufen. Ich treffe sie meistens dort und immer freue ich mich auf einen Austausch mit ihr. Sie ist ein wunderbares Role Model für heranwachsende Mädchen. Zeitig Mutter geworden und zeitig Geschäftsführerin. Zeitig geschieden und dann einen Sohn bekommen. In meiner Trennungssituation war sie es, an der ich aufgeschaut habe, doch das weiß sie nicht. Mit dem Vater der Tochter ist sie durch eine tiefe Freundschaft verbunden, mit dem neuen Gefährten fest zusammengewachsen ohne unbeweglich zu sein. Sie lebt, dass FAMILIE etwas anderes ist als die biologische Verbundenheit von Menschen.

Stark ist sie, und doch innerlich vernarbt. Schafft es, ihre Interessen absolut stur durchzusetzen, denn ihre Interessen sind ein Ergebnis aus pragmatischer Analyse und empathischer Wichtung.

Außerdem hat sie die intensivsten blauen Augen, die ich kenne.

Gestern sagte die L. zu mir: “Gut schaust du wieder aus. Das wollte ich dir letzte Woche schon sagen.” Schwierige Worte für mich. Dann setzte sie nach: “Weisst du, wenn ich in den Spiegel schaue, dann denk ich schon: ‘na, L. da hast du aber einiges an Speck angesetzt’- aber weisst du was, dann sag ich mir aber auch: ‘Boah bist du stark. Du bist wie eine Ringerin!’ ”

Wie schön wäre es, wenn jeder Mensch das könnte. Stark sein, alles abprallen lassen. Egal, ob es darum geht, das große Kind auf eine weite Reise ziehen zu lassen, nicht immer alles gleich zu wissen und teilzuhaben oder es annehmen zu können, dass Entscheidungen gefällt werden, die man selbst so gar nicht getroffen hätte.

Jede Frau in meinem Umfeld schleppt ihren Koffer mit Erfahrungen mit sich herum. Jeder Mann auch. So auch jedes Kind, die zu Erwachsenen werden und bereits einen halbvollen Kinderkoffer dabei haben. Die Frage ist, ziehen sie ihn in dem Gewissen, dass alles okay ist und jeder Schnipsel im Koffer sie dahin gebracht hat, wo sie jetzt sind, oder wehren sie sich mit Kopf und Körper dagegen an, diesen Koffer überhaupt zu ziehen.

“Das will ich jetzt aber nicht. Ist mir egal, dass der Koffer sowieso bei mir ist. Ich will mich nicht damit abplagen. Der ist zu schwer! Mama, Papa, zieht ihr den?”

 

nein. mache ich nicht.

Ich glaube, wir müssen alle mehr wie die L. sein.

Seid eine Ringerin!

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