Wie Öl

Mit Tasche, Rucksack, Beutel im Rucksack am Supermarkt angekommen, auf den Ohren die roten Kopfhörer und im Kopf die derzeit richtige Musik – sah ich sie, wie sie, ihr Jüngstes auf dem Arm balancierend, den Mittleren ermutigte, einen eigenen Warenkorb zu schieben und die Älteste beauftragte, schon mal etwas zu holen.

Younger me war fasziniert. So ähnlich kannte ich das vor ein paar Jahren auch noch, als meine Kinder noch 3 an der Zahl waren und der Alltag ein anderer.

Gestern konnte ich also zurückblicken und mich erinnern, wie unglaublich herausfordernd das war. Natürlich waren die Kinder nach einem heißen Sommertag erschöpft, hatten Wünsche und gänzlich unterschiedliche Bedürfnisse. Dennoch schaffte sie es, konzentriert zu bleiben und “wenigstens bis Samstag früh” alles zu durchdenken, während sie bestimmt, aber liebevoll mit den Kindern umging.

Mein Trolley füllte sich nach und nach, und auch ihr Wagen und der des Kindes wurden voller. Die Geduld der Kinder jedoch sank exponentiell dazu. In den letzten Winkeln vor der Kasse stand der Mittlere ganz schlapp an seinem Wägelchen und lehnte die Arme darüber. Ganz weit weg schien sein Blick. Dass er den Gang verstopfte, für so etwas banales war in einem Kinderkopf in diesem Moment kein Platz.

Die knorrige Alte aber bemerkte das nicht, oder vielleicht war es ihr auch egal. Ich weiß nicht, was ich im nächsten Augenblick am Schlimmsten fand:

  • dass sie den Wagen des Kindes rammte um wortlos ein Hindurchkommen zu erwirken,
  • dass das Kind aus seiner Trance gerissen wurde und Angst hatte, was jetzt passiert sei, oder
  • die aufgerissenen Augen der Mutter, die, das Baby auf dem Arm und mit der Großen gerade die Frühstückswünsche besprechend, erschrocken aus ihrer Konzentration gerissen wurde wegen des plötzlichen Übergriffs auf ihr wartendes Kind.

Ich ging zum Förderband an der Kasse und legte meine Einkäufe zurecht. Die Mutter sortierte sich hinter mich ein.

Ich nahm meine Kopfhörer ab und lächelte sie an. Vom monotonen “biep” der Kasse begleitet, sagte ich zu ihr:

“Darf ich Ihnen etwas sagen? Ich habe selbst drei Kinder, auch ungefähr im gleichen Altersabstand, nur jetzt schon etwas älter. Ich weiß genau, was Sie hier leisten, mit denen an so einem Tag im Laden. Ich habe Sie etwas beobachtet und mir ist es ein Bedürfnis zu sagen: Sie machen das verdammt gut.”

Wieder wurden ihre Augen groß und sie lächelte. Verschwitze Haarsträhnen hatten sich aus dem Zopf gelöst und sie strich sie hinter die Ohren, als sie sagte:

“Danke. Das geht runter wie Öl.”

 

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